15.08.2017 19:14

Der unheimliche Wald

Der unheimliche Wald
 
Schon seit vielen Jahren ließ sie dieser Gedanke nicht los. Einfach für immer verschwinden und alles hinter sich lassen . 
Heute war wieder so ein Tag und diesmal tat sie es. Sie lief einfach los. Nicht weit außerhalb der Stadt , war ein dichter Wald. Schon als Kind hatte dieser sie fasziniert . 
Ihre Urgroßmutter hatte ihr früher immer unheimliche Geschichten von diesem Wald erzählt und sie davor gewarnt, ihn zu betreten. Viele seien schon in diesen Wald gegangen und nie wieder zurück gekehrt .
Doch genau das reizte sie. Das war es, was sie brauchte. Sie suchte die Einsamkeit, wollte dem Schmerz entfliehen .
So lief sie immer tiefer in den Wald hinein. Die Vögel waren längst verstummt.
Kein Sonnenstrahl durchdrang mehr das Dickicht. 
Da erblickte sie eine Hütte. Die musste schon sehr lange dort stehen. Die Fenster waren blind, verstaubt. Eines war sogar eingeschlagen.
Efeu war am Haus empor geklettert und hatte sich bereits so breit gemacht, dass nahezu das ganze Haus davon bedeckt war.
Nur Fenster und Tür waren noch frei.
Es war kaum vorstellbar , dass jemand in diesem Haus wohnte. Trotzdem ging sie langsam auf die Tür zu. Behutsam öffnete sie die und sah vorsichtig ins Haus hinein. 
Als sie die Hütte betrat , stöhnte und ächzte der alte Dielenboden unter ihren Füßen , als würde jeder ihrer Schritte ihm Schmerzen bereiten. Aufgeschreckt durch dieses Geräusch stob ein Schwarm Fledermäuse an ihr vorbei. Instinktiv duckte sie sich, damit sich keines der kleinen Vampire in ihren Haaren verfing.
Durch die offene Haustür flohen sie sofort in den Wald.
Ängstlich blickte sie sich um. Als ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, fiel ihr Blick auf etwas, dass sie sofort erstarren und das Blut in ihren Adern gefrieren lies.
An der Wand hing ein Gemälde. Es war voller Spinnweben und musste doch schon sehr alt sein, denn die Farbe war bereits verblichen. Auf dem Gemälde war eine Frau zu sehen. Ihrer Kleidung nach, musste sie  im Zeitalter des Rokoko gelebt haben. Die Frau lächelte viel sagend und blickte sie kokett an. 
Das komödiantische Wesen blitze in ihren Augen.
Immer wieder sah sie die vornehme Dame auf dem Gemälde an. Sie konnte es nicht fassen. 
Denn die Frau auf diesem Jahrhunderte altem Gemälde war ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie hatte das Gefühl, als würde sie in einen Spiegel blicken.
Wer war diese Frau? War das der Grund, warum ihre Urgroßmutter sie immer davor gewarnt hatte, diesen Wald zu betreten ?
Wie durch einen Schleier des Nebels hörte sie jemanden ihren Namen rufen. Plötzlich schien das Gemälde lebendig zu werden. Die Frau auf dem Bild streckte ihr die Hände entgegen . Sie hatte keine Wahl, wie magisch wurde sie von dem Gemälde angezogen. Da packte die Frau auf dem Gemälde ihre Hände und zog sie mit übermenschlicher Kraft in das Bild. 
Das Bild hatte sich verändert. Denn jetzt war sie die Frau auf dem Gemälde.
Nicht umsonst hatte ihre Urgroßmutter sie immer gewarnt, diesen Wald zu betreten. Denn sie wusste von der Hütte, dem unheimlichen Gemälde. Sie wollte ihre Urenkelin davor bewahren, diesen Familienfluch fortzusetzen. So vielen ihrer Vorfahren wurde dieses Bild schon zum Verhängnis .
Leider konnte auch sie dem nicht entfliehen.
 
*Ende*
 
14.08.17

—————

Zurück


Kontakt

Geschichten Allerlei